Hausbild Titel
SUTRA
23.05.2010, 18:00
Ali Ben Lotfi / Shaolin Mönche
Choreographie: Sidi Larbi Cherkaoui

Ein Titel wie “Choreograph des Jahres“, der dem belgischen
Tanzmeister Sidi Larbi Cherkaoui Ende des Jahres 2008 zugesprochen
ist, macht so manchen arrogant oder gar überheblich.
Nicht aber Sidi Larbi Cherkaoui. Er zog sich zur
Entstehung von SUTRA zusammen mit einer Gruppe von
buddhistischen Mönchen des Shaolin-Tempels in die chinesische
Provinz Henan zurück. Dort beobachtet er die
Mönche und studiert ihre Technik der totalen Körperbeherrschung.
Cherkaoui stellt sich selbst eine deutlich gekennzeichnete
choreographische Aufgabe: Verbindungen suchen. Der
Tänzer und Choreograph vereinigt Menschen, Kulturen,
Disziplinen und Musik, Ost und West, Traditionen und lässt
dadurch Neues entstehen. Verblüffenderweise schafft er es
immer wieder all die unterschiedlichen Einflüsse zu einer
Einheit zu verschmelzen - und SUTRA ist der beste Beweis
dafür.
Wenn die Bühne nicht durch die wirbelnden Bewegungen
der 17 Mönche in Beschlag genommen wird, beeindruckt
die Landschaft, die Turner-Preisträger Antony Gormley aus
21 einfachen Holzkisten kreiert. Die Möglichkeiten die
mannshohen Kisten zu arrangieren sind schier unerschöpflich
und entstehen scheinbar spielerisch. Cherkaoui hat
in dem jungen polnischen Komponisten Szymon Brzóska
jemanden gefunden, dessen Musik tatsächlich spielerisch
Osten und Westen vereint. Seine Komposition für Cello,
zwei Geigen, Klavier und Schlagzeug erinnert an klassische
chinesische Musik wie an europäische Klassik. Brzóska
transformiert die Anmut der Bewegungen in seiner Partitur.
Mit SUTRA ist es Cherkaoui geglückt, die andere Kultur
voller Staunen und aus respektvollem Abstand zu erleben,
das macht die Größe dieses Tanzstückes aus


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